Konjunktur für eine Leiche

von Hilke Brunken-Harms

Jahrgang 10 besucht das Junge Theater in Göttingen

Theaterbesuche in der Adventszeit haben ja durchaus Tradition. Da unsere Zehntklässler aber für das klassische Weihnachtsmärchen zu alt sind, musste eine Alternative her. Sie müssen sich in diesem Jahr in Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen mit Dürrenmatts Drama “Der Besuch der alten Dame” beschäftigen.

Um die volle Wirkung und Besonderheit dieses immer noch aktuellen Stücks aus dem Jahr 1956 zu entfalten, machte sich daher der ganze Jahrgang am 16.12. auf den Weg ins Junge Theater nach Göttingen. Dort wurden die Figuren des Stücks lebendig. In dem Drama geht es um Moral, Gerechtigkeit, Schuld und die Macht des Geldes. Die reiche Claire Zachanassian bietet ihrer verarmten Heimatstadt Güllen Geld, wenn sie ihren früheren Geliebten töten, mit dem sie noch eine Rechnung offen hat. Anfangs empört opfern die Bürger schließlich ihre Moral dem Geld.

Betrachtet man das Figurenverzeichnis des Dramas, ist es erstaunlich, dass die Vielzahl der dort vorkommenden Charaktere von nur sechs Schauspieler*innen dargestellt wird. Durch schnelle Wechsel sowie klare Requisiten und Kostüme verkörpern sie jeweils mehrere Figuren. Dabei folgt alles einer sorgfältig einstudierten Choreographie. Durch besonders eindrucksvolle und auffällige Bewegungen bekommt das Drama eine besondere Note, das Groteske als wichtiges Stilmittel Dürrenmatts wird betont. Die Botschaft des Stückes ist klar, regt zum Nachdenken an und kommt bei unseren Schüler*innen an. Sätze wie “Menschlichkeit ist etwas für Millionäre, mit meiner Finanzkraft leistet man sich eine Weltordnung.” haben im heutigen Weltgeschehen eine erschreckende Aktualität. Im anschließenden Nachgespräch mit dem Regisseur und einem Teil des Ensembles bekommen die Schüler*innen die Gelegenheit Fragen zu stellen. Auf dem Rückweg sind sich alle einig: der Weg nach Göttingen hat sich gelohnt.