Der 12er Kunst-eA-Kurs entdeckt mittelalterliche Meisterwerke im Dom, im Dommuseum und in der Michaeliskirche
von Kai Gurski
Was tun, wenn zum Verständnis der abiturrelevanten Werke der Gegenwartskunst tiefergehende Kenntnisse in der christlichen Bildsprache nötig sind? Gut, wenn die eigene Schule sowieso schon in Hildesheim steht; dann reicht der Stadtbus, um in weniger als einer halben Stunde von der RBG in die kulturelle Blütephase dieser Stadt abzutauchen.
Und so trat der Kunst-eA-Kurs des 12. Jahrgangs von Herrn Gurski am Donnerstag, 4. Juni 2026, pünktlich in der ersten Pause eine Zeitreise zu den Hildesheimer Welterbestätten an. Auf dem Programm standen ein Rundgang über den Domhof, eine Führung durch den Mariendom, ein Besuch des 1000-jährigen Rosenstocks im Domkreuzgang und eine ausgiebige Erkundung des Dommuseums. Den Abschluss bildete ein Spaziergang zur Michaeliskirche, wo die Exkursion in der Bernwardkrypta nach knapp sechs Stunden endete.



Thematische Schwerpunkte bildeten Marien- und Christusdarstellungen sowie Zeugnisse der Reliquienverehrung, so dass unter anderem die große goldene Madonna und die Tintenfassmadonna, der Ringelheimer Kruzifixus und das Silberne Bernwardkreuz oder auch der Godehardschrein in der Domkrypta und die zahlreichen „sprechenden Reliquiare“ des Domschatzes genau in Augenschein genommen wurden. Auch der Aspekt der „Shared History“, des kulturellen Austausches zwischen dem islamisch geprägten Morgenland und dem christlichen Abendland im Mittelalter, rückte mehrfach in den Fokus, etwa bei so exotisch anmutenden Objekten wie den Scheibenkreuzen oder dem Senmurven-Aquamanile. Und ebenso verblüften die weltweit herausragenden Bau- und Kunstwerke der Ottonik und Romanik mit ihrer technischen Innovation und gestalterischen Einmaligkeit, denen Hildesheim seinen Status als UNESCO-Weltkulturerbe zu verdanken hat, etwa die Bernwardtür, die Christussäule oder die beiden Radleuchter im Hildesheimer Dom. Zwischendrin gab es immer mal wieder Abstecher in die Welt christlicher Mythen und Hildesheimer Sagen, Marienwunder und Teufelshorn inklusive. Als Ausgleich zu der Fülle an Eindrücken konzentrierten sich alle Schülerinnen und Schüler im Praxisteil jeweils auf ein Lieblingsobjekt ihrer Wahl, das es angemessen zeichnerisch oder malerisch zu erfassen und inhaltlich auszuwerten galt.


Das körperlich wie geistig durchaus fordernde Programm wurde von der Gruppe mit Geduld und Durchhaltevermögen gemeistert. Und am Ende standen beispielsweise Erkenntnisse wie die, dass Hildesheim noch mehr zu bieten hat als Baustellen und Mumien, dass eine Kreuzigung viel schmerzhafter sein dürfte, als sie in der Kunstgeschichte häufig erscheinen mag, – und dass in Krisenzeiten nicht nur der vermeintlich göttliche Glanz des Goldes Hoffnung zu schenken vermochte, sondern auch das zarte Erblühen einer ungeahnt widerstandsfähigen Wildrose.