Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus an der RBG am internationalen Holocaust-Gedenktag

von Marcel Pahl

Am kalten Dienstagmorgen begrüßten Kerzenlichter und ein langer schwarzer Schal mit Steinen und Fotos der nationalsozialistischen Gräueltaten die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie auch alle Gäste der RBG. Eine ungewöhnlich bedrückende Ruhe gegenüber den sonst in aller Regel heiter, quirligen Morgen an der RBG verbreitete sich in der Eingangshalle.

Die UNESCO- und Beth-Shalom AG haben ihre alljährliche Ausstellung präsentiert und es fällt schwer, geeignete Worte für das Dargestellte zu finden. Infotafeln informierten am Rande über die furchtbaren Zustände sowie die Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz vor genau 81 Jahren und Schülerinnen und Schüler, die in diesem Schuljahr an der Exkursion nach Auschwitz teilnahmen, berichteten von ihren Eindrücken und Gefühlen vor Ort. Viele Klassen nahmen sich die Zeit die Ausstellung noch intensiver zu besuchen und gemeinsam über die Geschichte und die damit verbundenen Konsequenzen für unsere Gegenwart zu diskutieren. Die Worte Margot Friedländers: „Ihr seid nicht Schuld an dieser grauenvollen Vergangenheit, aber ihr tragt Verantwortung dafür, dass so etwas in Deutschland nie wieder passiert“ schwangen hierbei häufig mit. Auch die Rede, die ab 9 Uhr von Marta Kuhn aus der 9.3 vorgetragen wurde, griff die Worte der einstigen Holocaust-Überlebenden auf. Daneben schlug sie einen Bogen zu Aktuellem und konkretisierte: „Wir wissen heute, dass die nationalsozialistische Schreckensherrschaft die damals noch junge deutsche Demokratie weitgehend mit Mitteln der Demokratie selbst abschaffen konnte. Die freie Rede […] wurde bei den Nazis zur Hetze gegen alle, die Nicht in ihr Weltbild passten, missbraucht. Verantwortlich [dagegen] handeln wir, wenn wir frei reden, ohne jemanden zu beleidigen oder ausgrenzen.“

Bei der Gedenkveranstaltung der Stadt Hildesheim am Nachmittag, zusammen mit dem Bündnis „Ins Licht gerückt“ in der RBG schaute Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer mit Sorge auf den derzeit in Teilen zunehmenden Antisemitismus und betonte: „Demokratie ist kein Zustand, der einmal erreicht wird und dann selbstverständlich bleibt. Sie ist ein Prozess, der Pflege, Aufmerksamkeit und Widerspruch benötigt.“ Die ganze Gesellschaft, und damit natürlich auch die junge Generation habe einen entsprechenden Auftrag. Die vortragenden Schülerinnen der RBG geben ihm an diesem Abend diese Hoffnung. Sie betonten ihrerseits: „Der 27. Januar steht nicht nur für die Befreiung und die Erinnerung an Schreckliches. Er steht auch für die Hoffnung, dass Leben möglich bleibt – und dass Menschlichkeit, trotz allem, nie vollständig zerstört werden kann […].“ Und so widmeten sich die weiteren Beiträge auch dem Widerstand, den es gegen die menschenverachtenden Gräueltaten der Nationalsozialisten gab. So hatte auf dem gemeinsamen Spaziergang von der Martin-Luther-Kirche zur RBG über den Nordfriedhof, Wilfried Duckstein vom Bündnis „Ins Licht gerückt“ das Leben und Wirken des Hildesheimer Gustav Hoppe gewürdigt, dessen Grabstein auf dem Nordfriedhof steht. Channah von Eickstedt, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hildesheim, erinnerte an bewegende historische Ereignisse im Warschauer Getto und Auschwitz unter dem Titel „Nicht wie Lämmer zur Schlachtbank“. Sie lies ihren Beitrag eindrucksvoll mit einem Lied ausklingen. Musikalisch eingerahmt war der Abend von einem Geigensolo der RBG-Schülerin Alicija Jastrzebska, sowie einem klassischen Quartett unter Leitung von Professorin Jutta Rübenacker mit Tana Kleinschmidt und Marjam Strecker an der Violine sowie Kathrin Seidemann am Violoncello. An der Martin-Luther-Kirche, an der Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer und Pastor Lutz Krügener die Gedenkveranstaltung offiziell eröffneten, wurde außerdem ein Film zum Thema gezeigt, den Schülerinnen und Schüler der RBG gemeinsam mit dem Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim entwickelt hatten.

Viele Erinnerungen wurden an diesem Tag zusammengetragen. Erinnerungen, die uns Mahnen, das nichts selbstverständlich ist, aber auch Erinnerung, die Hoffnung geben, dass Widerstand möglich bleibt, dass sich alles zum Guten wenden kann: „Der 27. Januar steht nicht nur für die Befreiung und die Erinnerung an Schreckliches. Er steht auch für die Hoffnung, dass Leben möglich bleibt – und dass Menschlichkeit, trotz allem, nie vollständig zerstört werden kann […].“