Klima und Meer – die Erdkundeleistungskurse in Bremerhaven

von Lukas Kollenberg

Juni 2026, ganz Deutschland ächzt unter Rekordtemperaturen – außer man ist Teil der Erdkundeexkursion der Leistungskurse des 12. Jahrgangs, die sich an diesem letzten Donnerstag des Monats nach Bremerhaven aufmachte, mit ca. 23 Grad Celsius einem der kühlsten Orte in Deutschland.

Zunächst ging es ins Auswandererhaus, wo wir anhand realer Auswandererbiographien in die Geschichte der Auswanderung aus Deutschland, vornehmlich in Richtung der neuen Welt, eintauchten. Passend zu den Semesterthemen des Schuljahres, wurden hier Europa und Amerika miteinander verknüpft und insbesondere die Geschichte der USA als Einwanderungsland verdeutlicht. Im zweiten Teil der Ausstellung wurde dann der Fokus auf Deutschland als Einwanderungsland gelegt und anhand verschiedener Debatten der letzten Jahre beleuchtet.

Nach diesen intensiven Eindrücken und einer kurzen Pause ging es weiter mit dem Hafenbus. Glich der erste Teil noch einer gewöhnlichen Stadtrundfahrt, wurde es mit dem Befahren des Gelände des Überseehafens interessant. Zunächst kamen wir an den großen RoRo-Terminals vorbei. Bis zu 70.000 PKW können in Bremerhaven in verschiedenen Parkmöglichkeiten auf ihren Weitertransport per Schiff oder Bahn warten, dazu kommen weitere Kapazitäten für High & Heavy-Transporte, also Kräne, Zugmaschinen und weiteres. Mit einem Umschlag von ca. 1,2 Mio. Tonnen Seegüter dieser Art gehört das Terminal in Bremerhaven zu einem der wichtigsten der Welt. Weiter ging es auf das Geländer der Lloyd-Werft, wo wir im Kaiserdock den Bau eines Tunnelsegments für den Weserautobahntunnel der A281 zu sehen bekamen.

Weiter ging es in den Containerhafen und direkt an der Kaje fanden wir uns mitten im Entladungsvorgang eines Containerschiffes wieder. Beeindruckend, wie die Carrier, ähnlich einer Ameisenkolonie, in nahezu perfekt abgestimmter Choreographie die Container zu den für sie bestimmten Lagerplätzen in den schier unendlichen Reihen brachten. Da die Fahrer in ca. 15m Höhe sitzen, müssen normale Fahrzeuge große, antennenartige Vorrichtungen mit Warnlichtern mit sich führen, damit sie nicht übersehen werden und ist das zu Fuß gehen strengstens verboten.

Auf dem Rückweg kamen wir noch am Chassis-Platz und der KLV-Anlage vorbei, bevor der Bus uns netterweise direkt an unserem Hostel aussteigen lies.

Der Abend stand zur freien Gestaltung, was ein Großteil der Gruppe nutze, um das letzte Vorrundenspiel Deutschlands beim PublicViewing im Stadion oder einem Biergarten zu verfolgen.

Am Freitag wurde es auch in Bremerhaven wieder wärmer, doch mit dem Besuch des Klimahauses konnten wir der Hitze auch hier zunächst ein Schnippchen schlagen. Im Klimahaus erlebten wir anhand des 8. Längengrads die verschiedenen Klimazonen der Erde mit allen Sinnen. Von Bremerhaven aus führte die Reise über die Gletscher der Schweiz und den Schirroko auf Sardinien in die kargen Wüstenräume des Niger, bevor der nächtliche Regenwald Kameruns auf uns wartete. Sehnlichst erwartet war dann die Abteilung der Antarktis, wo die Temperaturen tatsächlich auf unter den Gefrierpunkt heruntergekühlt wurde. Anlass genug für das Regionalfernsehen von Sat1 einen Beitrag über diesen kühlen Ort zu drehen und unsere Schülerinnen und Schüler zu interviewen.

Über die Hallig Langeneß ging es dann zurück nach Bremerhaven und für uns nach ca. dreistündigem Aufenthalt im Klimahaus in Richtung Bahnhof, um die Heimreise nach Hildesheim anzutreten. Vielen Dank an die Deutsche Bahn, welche uns die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels auf die deutsche Schieneninfrastruktur in unklimatisierten und überfüllten Regionalzügen, mit dreifachen Zugausfällen und diversen Verspätungen sehr deutlich vor Augen führte. Die in Bremerhaven gewonnen Eindrücke kann das aber nicht schmälern, so dass über eine Institutionalisierung dieser Exkursion zum Ende des 12. Jahrgangs nachgedacht wird.