RBG lässt mittelalterlichen Possenreißer mit Zeitmaschine zum Gesellschaftskritiker werden


Trilogie-Labor zu Till Eulenspiegel


von Hilke Brunken-Harms und Lucia Ballosch

Im Theater für Niedersachsen dreht sich in dieser Spielzeit alles um Till Eulenspiegel. In drei verschiedenen Produktionen geht es um die berühmte Figur aus der deutschen Volksliteratur. Passend dazu bot die Theaterpädagogin Bettina Braun ein besonderes Projekt für Schulen und das Fach „Darstellendes Spiel“ an. Auch der DS-Kurs aus Jahrgang 12 unter der Leitung von Lucia Ballosch und der WPK DS des 10. Jahrgangs unter der Leitung von Hilke Brunken-Harms beteiligten sich an diesem Projekt. Die Kurse beschäftigten sich zunächst mit der Figur Till Eulenspiegel und entwarfen dann ihr eigenes Theaterstück dazu.

Für die Zehntklässler war ziemlich schnell klar, dass ihr Stück Till ins Jahr 2026 holen sollte. Sie faszinierte an der Figur besonders, dass Till den Menschen den Spiegel vorhält, dass er sie auf Probleme aufmerksam macht und diese eher ungewöhnlich und unkonventionell löst. So reiste Till in ihrem Stück mit einer Zeitmaschine nach Hildesheim, traf dort eine Gruppe Jugendlicher und begleitete diese in ihrem Alltag, um verwundert festzustellen, dass die jungen Menschen in ihren flackernden Zauberkisten leben und darunter doch sehr viele Dinge leiden. Er durchtrennte ihre Verbindung zur digitalen Welt, um sie zu retten. Am Ende stellte sich heraus, dass Till die Zukunft, die von Smartphones und Tablets bestimmt ist, nur geträumt hat. Er äußerte den Wunsch, dass dieser Alptraum niemals wahr werden würde. Der Kurs schrieb das Stück komplett selbst und studierte es anschließend ein.

Der DS-Kurs aus Jahrgang 12 stellte ebenfalls einen Till Eulenspiegel des 21. Jahrhunderts dar. Bei den Überlegungen, wie die Umsetzung des Stoffes um den mittelalterlichen Possenreißer aktualisiert gestaltet sein könnte, kamen die Schülerinnen und Schüler zu der Idee, dass ein moderner Narr und Gesellschaftskritiker sich prüfend mit Influencern auseinandersetzen würde. Protzende Fake-Influencer, übertriebene Selbstdarstellung und die Gefahr der manipulativen Beeinflussung der Follower durch Social-Media-Akteure wurden von ihrem Till, der von verschiedenen DarstellerInnen verkörpert wurde, bloßgestellt und dem Publikum die Botschaft vermittelt: „Influencer 0 – Till 1“.

Am 18.4. trafen sich alle teilnehmenden Schulen zum sogenannten Trilogielabor und führten ihre Stücke und Szenen voreinander und vor weiterem Publikum auf einer professionellen Bühne im thim des Stadttheaters auf. Bei der Generalprobe wurde mit den Bühnentechnikern des Theaters noch an Lichteinstellungen und besonderen Effekten gefeilt. Am Nachmittag hieß es dann „Bühne frei“. Es war faszinierend, wie unterschiedlich die sechs Aufführungen der teilnehmenden Gruppen waren. Alle erhielten tosenden Applaus. Unsere beiden Gruppen lieferten eine tolle Aufführung ab. Alle waren vorher sehr aufgeregt, wuchsen dann aber im Spiel über sich hinaus und ernteten am Ende großes Lob und viel Beifall. Alle waren sich einig: die viele Arbeit hat sich gelohnt und das Projekt war ein riesiger Erfolg.