Matthias Reisener
Am dritten Tag in Kreisau stand unser erste Ausflug an. Wir fuhren mit dem Bus ca.40 Minuten zum Schloss Fürstenstein bei Waldbrün, Zamek Ksiaz Walbrzych. Es ist das größte Schloss in Schlesien. Ein wunderbarer Anblick bereits von Weitem.
Bevor wir jedoch die edlen Gemächer des ehrwürdigen und majestätischen Schlosses besichtigten, begaben wir uns in die verzweigten und noch immer rätselhaften Tunnel und Gänge unterhalb des Schlosses. Diese wurden auf Betreiben Hitlers ab 1942 in den Fels getrieben, auf dem das Schloss steht. Die alliierten Luftangriffe auf Berlin und andere deutsche Städte nahmen mehr und mehr zu. So entstand das „Projekt Riese“. Ein riesiger unterirdischer Bunker sollte entstehen. Gefangene des nahen Konzentrationslagers „Groß-Rosen“ mussten unter unvorstellbaren Mühen diese riesigen Gänge in den Fels schlagen. Viele starben bei dieser Sklavenarbeit. Wofür das ganze Unternehmen genau stand ist bis heute nicht vollständig klar. Zur Herstellung von sogenannten „Wunderwaffen“, als Versteck für wertvolle gestohlene Kunstschätze, als sicher Ort für Hitler und seine Mittäter? Oder alles zusammen und noch mehr? Fertiggestellt wurde „Riese“ jedenfalls nicht, denn die sowjetische Rote Armee rückte näher und eroberte das Gebiet schließlich. Hitler war niemals dort, „Wunderwaffen“ wurden nicht gefunden, genauso wenig wie Kunstschätze.






Es war ein beklemmendes Gefühl für uns in diesen feuchten, kalten und dunklen Gängen. Wir konnten ein kleines bisschen erahnen, welche Grausamkeiten hier von 1942-44 geschahen.
Wir waren erleichtert, als wir wieder nach oben an die frische Luft kamen.
Nun ging es ins Schloss mit Licht durchfluteten und großzügig ausgestatteten Räumen und Gemächern und den Geschichten der ehemaligen Bewohner. Hier gab es viele „Ohhs“ und „Ahhs“ und allgemeines Staunen über die Pracht und Herrlichkeit vergangener Zeiten. Jedenfalls für Fürstenfamilien ….
Dann zurück nach Kreisau, wo noch ein kreativer Kunstworkshop auf uns wartete und wir Papiertüten mit Motiven aus Kreisau gestalteten. Die entstandenen und gelungenen Objekte stellten wir uns am Abschluss vor.
Ein weiterer Tag ging nun zu Ende. Am Schluss wartete unser Bett und wohlverdienter Schlaf.









