von Kristine von der Recke
Ein anderer Blick auf die Feminnight 2026
…ist das Thema für das Seminarfach im 13. Jahrgang. Gleich am Dienstag 27.10.2026 organisierten fünf Abiturientinnen, Katharina Homann, Mara Lucki, Anna Michels und Maryam Sharara zum Thema „Feminismus und Alltagsrassismus“ ab 17.00 Uhr eine „feminight“ in der Schulstraße.
Nach einer kurzen Begrüßung startete der Abend mit Frageimpulsen an Stehtischen, „Schätzfragen mit Fakten, die zum Nachdenken anregen“ waren an einer Pinnwand angebracht – die passenden Antworten, sehr ästhetisch vor der Pinnwand auf einem Tisch zu finden.
Es gab auch die Möglichkeit die eigenen Gewalterfahrungen aufzuschreiben und anonym in einer aufgestellten Box verschwinden zu lassen. Unter dem Motto: „Stell Dir vor…“ war eine Awareness – Stellwand vorbereitet. Hier wurden antifeministische Positionen in Gedankenwolken mitgeteilt und das Publikum konnte mit roten, gelben und grünen Klebepunkten signalisieren, ob dem Statement zugestimmt (grün), es situationsgebunden gesehen werden kann (gelb) oder das Statement negiert wird (rot). Vor dieser Stellwand gab es angeregte Diskussionen zwischen den Generationen.



Nach angemessener Zeit betraten die Initiatorinnen die Bühne. Drei von ihnen waren symbolträchtig gekleidet, eine trug einen Blumentopf vor sich her und Tanja Lichthardt von der NGO Zonta1 moderierte durch den Abend.
Die Gelbe Rose steht im Zusammenhang mit der historischen Frauenrechtsbewegung und dem Feminismus. Gelbe Rosen waren ein Zeichen der Suffragetten-Bewegung für das Frauenwahlrecht in den USA. In Deutschland erhielten die Frauen das Recht zur Wahl zu gehen am 12. November 1918. Erstmal wählen durften die Frauen in Deutschland 1919.
Die Kittelschürze steht für Tradwives (Kurzform für traditional wives /traditionelle Ehefrauen), die ein streng konservatives Geschlechterrollenbild leben und diesen Lebensstil auf Social Media posten.
Die lila Latzhose war in den 70er Jahren ein zentrales Symbol der neuen Frauenbewegung, sie gilt als Protest gegen gängige Schönheitsideale. Die praktische, bequeme Arbeitskleidung wurde gewählt , um sich gegen traditionelle Rollenbilder, Make-up und den Druck zu wehren, als weibliches Sexualobjekt wahrgenommen zu werden. Die „männliche“Hose stand für das politische Statement nach gesellschaftlicher Gleichberechtigung, beruflicher Teilhabe und Unabhängigkeit. Die Farbe lila hatte schon in der Suffragetten-Bewegung Verwendung. Sie trugen lila Schärpen als Erkennungszeichen.
Die rote Robe im Roman „The Handmaid`s Tale“ (Der Report der Magd) von Magarete Atwoods dystopischem Werk, ist ein weltweit genutztes Protestsymbol für Frauenrechte, körperliche Selbstbestimmung und den Kampf gegen Abtreibungsverbote (eingesetzt in den USA, Irland, Polen, Argentienien und UK) Zur Verbreitung des Motivs setzten Steamingdienste wie Netflix auf Serien wie „Wandering Wenda und „Alias Grace“.
Der rote Handabdruck, die „stummen Stimmen“ erinnert an verschwundene Frauen und ist ein Hinweis auf Femizide ( Tod durch Hand des Partners, Partnerschaftliche Morde). Drei Femizide gab es 2026 schon in Hildesheim! Das ist erschreckend.
Grundlage für Gleichberechtigung ist unser Grundgesetz (GG). Konkret ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Artikel 3 GG festgeschrieben.
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Aber wurde dieses Ziel hier in Deutschland umgesetzt?
Noch nicht!
Es gibt immer noch Verdiensteinbußen von 16 % bei gleicher Qualifikation zwischen Männern und Frauen! Deshalb gibt es auch den Equal Pay Day, der Ende Februar/Anfang März eines jeden Jahres an diese Ungerechtigkeit erinnert.




Eine Frauenquote in Parteien, Handwerksbetrieben und Konzernen könnte für Gleichberechtigung sorgen, jedoch sind vielerorts die Quoten noch nicht erfüllt!
MINT -Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind Fächer, die von Mädchen und jungen Frauen in den Blick genommen werden sollten.
Frau Lichthardt beschäftigt sich auch beruflich im JobCenter für Chancengleichheit von Mann und Frau. Sie nennt das Entgeldtransparentgesetz als wichtigen Meilenstein, das EU-weit 2027 umgesetzt werden soll, das Mutterschutzgesetz gibt es seit 1952 sowie das Bundesgleichstellungsgesetz (1949) als wichtige Errungenschaften unserer Gesellschaft für die Frauenrechte. Damit sich die Lange für Frauen ändern kann, braucht es kluge Frauen in der Politik.
Als Frau Lichthardt den Schüler:innen im Publikum die konkrete Frage stellt: „Würden Sie in die Politik gehen?“
Wird das Programm: „Frau macht Politik“ erwähnt und Antonia Hillberg (MDNL) meldet sich in der Diskussion zu Wort und macht Mut, sich gerade auch als junger Mensch am politischen Prozess zu beteiligen. Sie selbst ist mit 16 Jahren der SPD beigetreten und arbeitet seit 2022 als Abgeordnete der Hildesheimer-SPD im niedersächsischen Landtag.
Frau Lichthardt stellt Zonta Hildesheim vor. Zonta ermächtigt Frauen (Empowerment für junge Frauen) Die RBG hatte in den letzten Jahren Preisträgerinnen unter unseren Schüler:innen z. B. Batoul Ibrahim oder Finja Schlimper waren Zonta-Preisträgerinnen. Zonta setzt sich für Projekte gegen Kinderehen ein und unterstützt hier in Hildesheim den Verein Wildrose. Es gibt eine Aktion zum Orange Day am 25.11.26, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Er markiert den Auftakt der 16-tägigen UN-Kampangne „Orange the World“, die bis zum Tag der Menschenrechte am 10.12.26 laufen wird. Dieses Jahr unterstützt die EVI die Innenstadtbeleuchtung in Kooperation mit ZONTA. Wir sind gespannt wie ORANGE Hildesheim sein wird!
Der Abend klang mit dem Auftritt der Band „No Twins“ aus.
1 Zonta International (ZI) ist ein internationaler Service Club von Frauen, die oft in verantwortungsvollen Positionen arbeiten und die sich dafür einsetzen, die Lebenssituation von Frauen in rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher, beruflicher und gesundheitlicher Hinsicht zu verbessern. Zonta wurde 1919 in den USA gegründet. Das Motto lautet „Zonta ist Begegnung – weltweit“. Zonta International ist überparteilich, überkonfessionell und weltanschaulich neutral. Der Hauptsitz von Zonta International befindet sich in Oak Brook (Illinois). Zonta ist als Nichtregierungsorganisation (NGO) mit konsultativem Status bei der UNO seit deren Gründung 1945 vertreten. Zonta International (ZI) ist seit 1983 im Europarat vertreten und eine von 320 NGOs mit partizipatorischem Status.