Die Geschichte der RBG

Die Robert-Bosch-Gesamtschule als eine der ersten und ältesten Gesamtschulen in Niedersachsen

Zu Beginn des Schuljahres 1971/72 starteten sieben integrierte Gesamtschulen in Niedersachsen, darunter auch die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim.

Einen großen Anteil am Hildesheimer Modellversuch hatet die Firma Bosch-Blaupunkt, die sich eine Optimierung der Hildesheimer Schullandschaft wünschte und eine Integrierte Gesamtschule präferierte. Als Unterstützung stellte der Konzern der Stadt eine Million Deutsche Mark in Aussicht; schlussendlich wurden es sogar 1.320.000 DM. Diese Hildesheimer Modellschule sollte dann auch den Namen „Robert-Bosch-Gesamtschule“ erhalten. Im Sommer 1978 legten die ersten  Abiturient*innen ihr Abitur an der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim ab, unter ihnen auch der berühmte Unternehmer Carsten Maschmeyer.

In den Gründungsjahren waren die jungen Eltern von der Idee des Schulversuchs „Gesamtschule“ überzeugt. So verbucht die Statistik für das Schuljahr 1971/72 insgesamt 432 Anmeldewünsche; ein Jahr später waren es sogar 457 für die begehrten 240 Plätze der damals noch achtzügigen IGS.

Doch dann schlägt zu Beginn der 1980er Jahre die Stunde der Schadenfreunde: Die Erfolgskurve der RBG bekommt einen gefährlichen Knick: Ab 1981 brechen die Anmeldezahlen ein; sind es hier noch 222 Aufnahmewünsche, so sind es 1989 nur noch 92! Der Ruf der Schule war schlichtweg ruiniert. Die stetigen Anfeindungen aus dem konservativen Lager zeigten Wirkung: Die Schulgemeinschaft stand einer Übermacht schlechter und vor allem nicht selten verzerrter Presse gegenüber. Hinzu kamen interne Konflikte.

1990 tritt Friedemann Hoppmann als vierter Schulleiter der RBG an. Er leitet eine Reform des pädagogisch-didaktischen Profil der Schule ein. Das Konzept der Freiarbeit wurde 1987 gewagt; es hätte die Krise verschärfen können – doch das Gegenteil war der Fall. Das Konzept der Freiarbeit in der Sekundarstufe I in den Jahrgängen fünf und sechs sah eine Unterrichtsform vor, die fächerübergreifende und projektorientierte Angebote vorhielt und wo die Schüler*innen ihre Aufgaben frei wählen konnten. Das Modell der RBG war in der ganzen Bundesrepublik gefragt und lockte viele Besucher*innen an.

Sicher sind die pädagogischen Settings wie die Freiarbeit mitverantwortlich dafür, dass der Abwärtstrend  gestoppt werden konnte und die Kurve der Anmeldungen  wieder enorm anstieg.

Die UNESCO-Arbeit: Das Herzstück der Die Robert-Bosch-Gesamtschule

Bereits 1979 entschließt sich die Schulgemeinschaft der Robert-Bosch-Gesamtschule, am Modellprojekt der UNESCO-Schulen mitzuwirken. Sie wird eine von 23 UNESCO-Projektschulen in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Projektschulen sehen sich dem Ziel besonders verpflichtet,  die Schüler*innen „zur internationalen Verständigung, zu Zusammenarbeit und Frieden“ zu erziehen sowie die Menschenrechte und Grundfreiheiten zu fördern. Später kommt noch der Aspekt der Nachhaltigkeit hinzu. Diese UNESCO-Zugehörigkeit macht den Kern der Robert-Bosch-Gesamtschule aus.

Engagiert – Der Kampf gegen Rechtsextreme und gegen das Vergessen

Seit 1985 kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft „Beth Shalom“ der Robert-Bosch-Gesamtschule  um die jüdische Kapelle und um den jüdischen Friedhof in Hildesheim. Leider kam es immer wieder zu Beschädigungen und Schändungen mit rechtsextremem Hintergrund. 1991 erhält die Jüdische Kapelle im Rahmen der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Schuljubiläum den Namen „Beth Shalom“ (Haus des Friedens). Weitere Schändungen folgen – genauso wie die Aufarbeitungsbemühungen der Schülerarbeitsgemeinschaft. Bis heute ist es oftmals die RBG, die Schweigemärsche und Gedenkaktionen in Hildesheim durchführt und dadurch aktiv zur Erinnerungskultur in Hildesheim beiträgt. Auch dieses Engagement lässt sich klar unter dem UNESCO-Auftrag verorten. 2014 wird die Beth-Shalom-AG von dem bundesweiten Förderprogramm „Demokratisch handeln“ ausgezeichnet – für ihre kontinuierlichen Bemühungen in dem Bereich der Erinnerungskultur.

Immer wieder für Überraschungen gut – Die RBG erhält Auszeichnungen der Superlative

Am 7.12.1997 titelt der „Kehrwieder“: „Hildesheim hat ein EXPO-Projekt! Hildesheimer Robert-Bosch-Gesamtschule setzt sich unter 240 Mitbewerbern durch“. Eine internationale Jury hatte die RBG zur Teilnahme an der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover ausgewählt. Die RBG sei eine Schule der Völkerverständigung und zugleich eine ökologische Schule der Zukunft, hieß es in der Begründung. Der zweite Superlativ folgt 2007: Die RBG gewinnt als beste Schule Deutschlands den Deutschen Schulpreis!

Eine höhere Anerkennung war und ist für eine Schule auf bundesdeutscher Ebene kaum möglich.

Die RBG setzt einen Superlativ gegen Rechts

Im September 2019 rockte die RBG im Zeichen der Toleranz und des friedlichen Miteinanders ganz Hildesheim: Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil attestierte dem Toleranzfestival der RBG, dass es die bislang größte Veranstaltung gewesen sei, die eine Schule in Niedersachsen auf die Beine gestellt habe. Er selbst war Schirmherr dieser Veranstaltung. Auch das Toleranzfestival ordnet sich, wie der Titel es bereits nahelegt, klar in den Kontext der UNESCO-Projektschulen  ein. Es ging darum, das Engagement der Schüler*innen für Werte, die Bestandteil der UN-Charta, des Grundgesetzes und des Bildungsauftrages von Schule sind, zu fördern. Aus der Öffentlichkeit erfuhr die Schule eine breite Unterstützung. Sogar ein Konzert mit regionalen Bands, Schülerbands und mit Jan Delay und seinen Delaydies hat es gegeben – alle kamen im Zeichen der Toleranz und spielten für wenig oder gar keine Gage. Schließlich hatten sich 3000 Schüler*innen für das Toleranzfestival angemeldet. Andere Hildesheimer Schulen haben sich anstecken lassen und haben mitgemacht – am Ende war es eine große Feier für Toleranz, die von den Schulen ausging und von der RBG organisiert worden ist.

Eine Pandemie bremst den Globus aus – und bewirkt eine verstärkte Nutzung digitaler Lernwelten

Das Schuljahr 2020/21 steht ganz unter dem Pantoffel der Corona-Pandemie. „Krise“ wird sie genannt, sie ist in Wahrheit aber eine Katastrophe! Viele Menschen fallen ihr zum Opfer, andere erkranken schwer. Das öffentliche und kulturelle Leben steht für Wochen und Monate still – Menschen gehen sich aus dem Weg, Begegnungen werden zeitweise ganz verboten oder kleingehalten. Menschen vereinsamen. Kleine und große Unternehmen wissen finanziell nicht weiter. Menschen arbeiten im Homeoffice. Die Schulen erhalten neue Szenarien, von denen der bislang bekannte Präsenzunterricht nur eine Variante von drei Möglichkeiten darstellt. So geht das über Wochen und Monate. Die Lebenswelten werden enger, teilweise zu eng; die Belastungen der Eltern, die ihre Jobs und ihre Kinder zu Hause versorgen müssen, steigen unermesslich. Dann der Durchbruch 2021: Impfstoffe.

Die Pandemie hat uns attestiert, dass es richtig und zielführend war, digitale Lernwege zu beschreiten. Die RBG hat sich in diesem Schuljahr definitiv auch digital weiterentwickelt, aber sie konnte von einem hohen Niveau ausgehen und starten. Auch hier hatte die RBG keinen Bildungstrend verpasst, sondern sich mutig auf Neuerungen eingelassen. 

Fazit – Die Strukturen und Muster der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim: Die RBG bewegt die Herzen der Hildesheimer

Zunächst einmal lässt sich als Ergebnis festhalten, dass auch die Gründung der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim im Rahmen eines Schulversuches in der Rückschau nach nunmehr  fünfzig Jahren – trotz des heftigen Tiefs mittendrin – als ein voller Erfolg zu bezeichnen ist. Die Gesamtschulidee erfreut sich breiter Beliebtheit. Stetig werden neue Integrierte Gesamtschulen eingefordert – und eingerichtet. An der IGS dürfen sich Kinder entwickeln. Viele haben hier etwas geschafft, was sie sonst nicht vollbracht hätten.

Weiter zeichnet es die Schulgemeinschaft der RBG besonders aus, Projekte und Programme, die sich bewährt haben, zu halten, fest zu installieren und weiterzuentwickeln (z. B. die Sommerschule auf Aro oder die Krankenstation in Lekrimuni / Tansania).

Und schließlich war es genau die passende Idee, eine Gesamtschule wie die Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim, in das Projekt der UNESCO-Schulen zu integrieren. Hier war und ist die Mitte unserer Schule. Hieraus schöpfen wir unsere Kraft. Vielleicht ist das unser „guter Geist“ – das, was uns im Kern ausmacht und ausmachen wird.